Ein Philosoph der Arbeiterbewegung
Er wurde vor 175 Jahren in Wald geboren, verließ aber noch als Kleinkind seine Heimatstadt

(hw) Die Gesamtschule in Wald feiert den Geburtstag ihres berühmten, der Allgemeinheit aber doch weniger bekannten Namenspatrons.
Als Sohn des Pfarrers Johann Peter Lange am 28. September 1828 in der Walder Vikarie geboren, verbrachte er nur die ersten sechs Wochen seines Lebens in Wald.
Die Familie zog nach Langen-berg, später nach Duisburg, 1841 nach Zürich. Dorthin war war sein Vater als Professor der Theologie berufen worden. 1851 folgte Bonn, wo er 1860 Konsistorialrat und Ober-konsistorialrat wurde.
Friedrich Albert Langes Vater war ein Fuhrmannssohn aus Sonnborn, der sich seinen Beruf mit eisernere Fleiß erarbeitete. Er starb 1884 und überlebte damit seinen berühmten Sohn, der bereits am 21. November 1875 nach schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren in Marburg gestorben war.
Friedrich Albert Lange studierte 1847 in Zürich, ab 1848 in Bonn alte Kunstgeschichte, griechische Literaturgeschichte und Mathe-matik.

Im März 1851 promovierte er zum Doktor der Philosophie und

legte sein philologisches Staats-examen ab.
Weitere Stationen: 1852 Gymnasiallehrer in Köln, 1855 Privatdozent an der Universität Bonn, 1858 Gymnasiallehrer in Duisburg. 1870 wurde er außerordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Zürich. 1872 folgte er einem Ruf nach Marburg.

Kant-Nachfolge
abgelehnt

Der Philosoph forderte in seinen Veröffentlichungen eine Neu-besinnung auf Immanuel Kant, den er für den europäischen Aufklärungsprozess für bedeut-samer hielt als die unter-schiedlichen Vertreter der Hegelschulen. Diese Gewich-tung wie seine gesellschafts-politischen Forderungen nach Demokratisierung und voll-ständiger Koalitionsfreibeit und seine Bemühungen für den Achtstundentag brachten ihn in Gegensatz zu den herrschenden Kreisen. Aber nicht nur diese kritisierten Lange, auch die Marxisten fanden die Neu-besinnung auf Kant mehr als merkwürdig und diskreditierten ihn als "Liberalen".

Als er im Frühjahr 1862 von rheinischen Provinzialschul-kollegien wegen seines Engagements gerüffelt wurde, gab Lange seine Lehrtätigkeit in Duisburg auf und wurde volkswirtschaftlicher Redakteur bei der oppositionellen "Rhein- und Ruhr-Zeitung". Das ging auch nicht ohne Prozesse ab.
Weitere Tätigkeitsgebiete au-ßerhalb der Lehrstätten:
Sekretär der Duisburger Handelskammer, Mitglied der Genossenschaftsbewegung.
Im Oktober 1865 gründete Lange ein eigenes oppositionelles Blatt, den "Boten vom Nieder-rhein". Nach weiteren Querelen mit den Regierenden zog er in die Schweiz, wo er in Winterthur zusammen mit einem Freund den "Landboten von Winterthur" herausgab.
Im öffentlichen leben der Schweiz machte sich Lange schnell einen Namen. So arbeitete er maßgebend an der Revision der Züricher Kantonsverfassung mit, die das auf seinen Einfluss zurück-zuführende Prinzip der unmittel-baren Demokratie (Volksent-scheid) enthielt.
Die zwischenzeitlich angebotene Kantnachfolge in Königsberg

lehnte Friedrich Albert Lange ab, da er in der Schweiz die Chance hatte, der neuen Verfassung wesentliche Impulse zu geben.
Langes Hauptwerk von 1866 "Geschichte des Materialismus" wird auch heute noch als eine der besten Einführungen in die Geschichte der Philosophie und des Idealismus gewürdigt.
Friedrich Albert Lange hat sich für hochschul- und bildungs-politische Fragen sehr engagiert. In seinem Werk "Pädagogik zwischen Politik und Philosophie" wird Pädagogik begründet als Erziehung zur Menschlichkeit und Vernunft. Die Bildungsfrage ist für Friedrich Albert lange auch eine wesentliche soziale Frage, da das Bildungswesen seiner Zeit nur wenige Kinder halbwegs gut ausbildete.
Mit dem Entwurf einer Hoch-schulreform wollte Lange die Lehrerausbildung reformieren und damit zu Unterrichtsverbes-serungen beitragen. Wie in vielen anderen Themen war er auch hier seiner Zeit voraus. Die Friedrich -Albert-Lange-Schule wird in einer Feierstunde am 29. September 2003 um 12 Uhr offiziell an ihren Namensgeber erinnern.

   aus: Solinger Tageblatt vom 6. September 2003