Schule ist keine Verwahranstalt
Friedrich-Albert-Lange-Schule feierte Namensgeber

(crm) Geburtsort ist Geburtsort. Auch wenn er schon im zarten Alter von sechs Wochen mit der Familie in die Ferne ging: der in Wald geborene Philosoph Friedrich Albert Lange. Am 28. September wäre er 175 Jahre alt geworden. Seiner wurde gestern in der Friedrich-Albert-Lange-Schule gedacht und eine Feierstunde rund um den Namenspatron ausgerichtet.
    Dass dem fortschrittlichen Denker Schule ein wichtiges Thema war und sein Name für eine Schule Verpflichtung ist, stellte unter anderem Ober-bürgermeister Franz Haug in seiner Ansprache heraus. Schon zu seiner Zeit verwehrte sich Lange gegen die Schule als eine Art Verwahrantstalt, wo in überfüllten Klassenräumen "gelernt" wurde. "Da sollest die Kinder lieber nach Hause oder spielen geschickt werden." Durchaus aktuell. Den Menschen gelte es, zu einem mitfühlenden Individuum zu erziehen. Haug: Das sollten

auch jene nicht vergessen, die an den Stellschrauben des Schulsystems drehen. Egal ob es um Klassenstärken oder Lehrerstunden gehe.

Schüler gestalteten
das Programm

    Eingehend würdigte Schul-leiter Peter Wirtz Leben und Wirken von Friedrich Albert Lange. Allerdings in gebotener Kürze, wie der Schulleiter launig verstellte: Denn bei vergleich-baren Ansprachen in der guten, alten Zeit wäre der Zuhörer nicht unter 75-Minuten Rede davon gekommen.
    Friedrich Albert Lange kam 1828 als zweites Kind des Walder Pastors Johann Peter Lange auf die Welt. Umzug nach Duisburg, später nach Zürich, wo der junge Friedrich Albert Lange sein Studium generale aufnahm. Neben sei-nem sozialen und päda-gogischen Engagement beein-druckt besonders das vielfältige Berufsleben des mit 47 Jahren

in Marburg gestorbenen Pro-fessors: Lehrer, Hochschul-lehrer, Geschäftsführer einer Handels-kammer, Verleger, Buchhändler, Städteplaner ... Wirtz zur heutigen Situation: "Junge, spezialisierte Experten müssen davon ausgehen, dass in ihrem Leben mancher Berufswechsel selbstver-ständlich sei." Auch hier ist Lange Vorbild.
    Für die Umrahmung sorgten die Schüler selbst. Sandra Buch (Flöte) und Dagmar Joseph (Klavier) boten mal verspielt, mal verträumt Werke von C. P. E. Bach und Doppler. Viel Applaus gab es für die Sing-AG und die Jahrgangsstufe 7 mit dem Gesamtschullied. Der Kurs "Darstellen und Gestalten"(Jahrgangsstufe. 9) bot mit Schlaginstrumenten eine spannende Interpretation von Mörikes "Die Geister am Mummelsee" Die Fachschaft Philosophie las aus Langes Werk.

   aus: Solinger Tageblatt vom 30. September 2003