Fechten | Trainer des Jahres 2015

Sascha Tykhomyrov und Dirk Schiffler sind "Solinger Trainer des Jahres"

Sportlerwahl - Eine Premiere: Vier gewinnt

Nach knapp zehn Minuten muss Viktor Szilágyi das Mikrofon wieder aus der Hand geben - er braucht beide Hände, um sich auf die Krücken zu stützen und damit seinen linken Fuß zu entlasten. Denn der Kapitän des Handball-Bundesligisten Bergischer HC hat sich im vorletzten Saisonspiel die Plantarfaszie, ein Sehnenbündel unter der Fußsohle, zu "drei Vierteln durchgerissen", wie er den rund 100 Gästen im WMTV-Restaurant erklärt.

Die schwere Verletzung hatte ihn aber nicht davon abgehalten, zur Sportlerehrung unserer Zeitung zu kommen - Ehrensache für den 36-Jährigen, denn immerhin nahm er nach zahlreichen Titeln im Handball nun einen weiteren entgegen: den als "Sportler der Saison" im Solinger Sport. Wie wichtig Szilágyi beim BHC ist, hatte Jurymitglied Ernst Lauterjung vorab gewürdigt: "Er hat ein sehr großes Verdienst daran, dass der BHC in der Liga geblieben ist." WDR-Mitarbeiter Christian Licht, ebenfalls Jurymitglied, hatte ergänzt: "Wenn man den Szilágyi-Faktor rausrechnet, weiß man nicht, ob der BHC die Liga gehalten hätte."

Der Österreicher stellte im Gespräch mit Morgenpost-Redaktionsleiter Guido Radtke aber wie stets das Team in den Vordergrund: "Es ist fantastisch, wie sich alles entwickelt hat", meinte Szilágyi mit Blick auf seine Anfänge im Bergischen Land, als der BHC noch im Unterhaus spielte. "Mich hat nicht die Zweite Liga überzeugt, sondern das Konzept des BHC. Es war für mich hundertprozentig klar, dass es nur ein Jahr Zweite Liga sein würde. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht angekommen." Zufriedenheit sei fatal, der Kampf um den Klassenerhalt stets sehr schwer und der Leistungssport sehr kurzlebig. "Für mich ist das Wichtigste, körperlich in einem guten Zustand zu sein. Ich bin optimistisch, das wieder hinzukriegen, und dann werden wir nächste Saison wieder viel Spaß haben", sagte Szilágyi.

Spaß bereitete auch Amina Sherif. Die Schachspielerin, die unter anderem für die SG Solingen an den Brettern sitzt, hatte sich bei der Benachrichtigung über ihren Sieg in der Kategorie "Sportlerin der Saison" hörbar am Telefon gefreut. "Um ehrlich zu sein - ich lag gerade ein bisschen erkältet im Bett, als der Anruf kam. Es war auf jeden Fall überraschend, dass ich Erste geworden bin", sagte die 16-Jährige, die ebenso charmant von ihrem Titelgewinn bei der Afrika-Meisterschaft der unter 18-Jährigen berichtete: "Das war eine ziemlich lockere Atmosphäre in einem ziemlich kleinen Hotel-Veranstaltungsraum. Es war schön, aus vielen verschiedenen Ländern viele nette Menschen kennenzulernen." Dass sie während des Turniers einen schweren Fehler machte, der sie fast den Titel gekostet hätte, unterschlug Sherif nicht: "Das war erst mal ein Schock: ,Was habe ich da gemacht?'. Aber als die Gegnerin dann einen Fehler gemacht hat, darf man auch nicht übermütig sein und denken: ,Ja, Pech.'" Als U 18-Afrika-Meisterin erhielt sie den Titel "Internationale Meisterin", über dem nur noch der des Großmeisters steht, den Sherif ebenfalls anstrebt. Dazu müsste sie auf verschiedenen Turnieren gewisse Meister schlagen, um die notwendigen ELO-Punkte zu erhalten, oder aber die Afrika-Meisterschaft der Erwachsenen gewinnen. Wann das so weit sein könnte? "Nächstes Jahr wäre schön", bekundete Sherif lächelnd.

Diese Gefühlsregung kann auch Sascha Tykhomyrov tatsächlich zeigen, auch wenn dem Fechtmeister des WMTV dazu doch schon Außergewöhnliches widerfahren muss. Auf die Frage, wie er in Leipzig die Titel von Kim Treudt-Gösser im Einzel der A-Jugend und mit der Mannschaft gefeiert habe, sagte er trocken: "Ich bin mit dem Bus nach Hause gefahren. 500 Kilometer." Der Ukrainer bildet mit Dirk Schiffler das Duo, das als Trainer der Saison geehrt wurde. "Die Zusammenarbeit ist sehr eng, wir können uns aufeinander verlassen", berichtete Schiffler. "Wir haben eine ähnliche Art, mit den Leuten umzugehen. Die Sprache ist die gleiche. Ich meine nicht russisch und deutsch, sondern die Fechtsprache." Und die kommt bei den insgesamt 33 WMTV-Fechterinnen, die das Duo betreut, so gut an, dass sie in allen Altersklassen zu den besten in Deutschland zählen. Und dank der beiden, die sich in der knappsten Entscheidung durchgesetzt hatten, gab es bei der sechsten Sportlerehrung eine Premiere: vier Gewinner.

Quelle: RP

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